|
Die Geschäftslage im niedersächsischen Handwerk hat sich zu Beginn des Jahres 2010 im Vergleich zum Vorjahr insgesamt nur wenig verändert. Der Geschäftsklimaindex stieg - trotz des harten und langen Winters - sogar leicht um 2 Indexpunkte auf den Wert 45. Jeder 5. Handwerksbetrieb bewertete damit in den Frühjahrsmonaten seine Lage mit „gut“ und knapp die Hälfte mit „befriedigend“. Als „schlecht“ stuften allerdings noch immer 30 % der Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage ein. Ein Konjunkturfrühling sieht zwar wahrlich anders aus. Allerdings hätte er bei dem witterungsbedingten schwierigen Jahresstart auch deutlich schlechter ausfallen können. Die Konjunkturdaten zeigen: Das Handwerk setzt auf den Sommer! Die außerordentlich positiven Erwartungen der Betriebe an eine wieder anziehende Nachfrage nach Handwerksleistungen im weiteren Jahresverlauf weisen nicht nur im Baugewerbe auf einen gewissen Nachholeffekt, sondern auch in den übrigen Branchen des Handwerks auf eine optimistische Grundstimmung hin. Erstmals seit der zweiten Jahreshälfte 2008 steht das Erwartungsbarometer mit Blick auf Auftrags- und Umsatzzahlen wieder unter einem deutlich positiven Vorzeichen. In der Summe rechnen 10 % der Betriebe mit wachsenden Auftragszahlen, 6 % mit steigenden Umsätzen. Lediglich im Kfz-Gewerbe zeichnet sich keine Trendwende ab. Nach dem Auslaufen der Abwrackprämie war es in vielen Kfz-Häusern zu Beginn des Jahres außerordentlich ruhig. Sie hoffen, für die Sommermonate zwar wieder mehr Kunden locken zu können, allerdings werden für die Kfz-Branche weiterhin deutliche Auftrags- und Umsatzrückgänge erwartet.
Insgesamt hat sich in der Krise gezeigt, dass die niedersächsischen Handwerksbetriebe trotz deutlicher Umsatz- und Auftragsrückgänge eine hohe Beschäftigungsbindung aufwiesen. Gemäß den vorläufigen amtlichen Daten für das Jahr 2009 verzeichnete das niedersächsische Handwerk bei einem Rückgang der Umsätze um 5 % auf 36,8 Mrd. € einen moderaten Beschäftigtenabbau von nur 0,8 % auf knapp 426.000. Auf Bundesebene fiel der Umsatzrückgang ähnlich hoch aus. Der Beschäftigtenrückgang belief sich allerdings auf 1,5 %.
Nach den saisonbedingten Rückgängen zu Beginn des Jahres 2010 zeichnet sich für die Sommermonate im Handwerk ein stabiles Beschäftigungsverhalten ab. 80 % der Betriebe rechnen mit keinen Änderungen im Personalbestand. Bei jedem 5. Betrieb ist die Beschäftigtenentwicklung noch unsicher. Mit Blick auf die Investitionsbereitschaft ist weiterhin eine große Zurückhaltung zu spüren. Im Vergleich zum Vorjahr fallen die Einschnitte aber moderater aus.
Speziell das Baugewerbe kann in einem erheblichen Maße vom Konjunkturpaket II profitieren, welches in Niedersachsen zügig umgesetzt wurde und die Auftragslage vor Ort verbesserte und auch noch weiter stützt. Zudem steigt gemäß den jüngsten Meldungen der Gesellschaft für Konsumklima (GfK) die Verbraucherstimmung im Mai auf seinen höchsten Stand seit November 2009. Allerdings wird es nach Auslaufen des Konjunkturprogramms darauf ankommen, trotz der sehr schwierigen Haushaltslage die notwendigen strukturellen Reformen auf Bundesebene nicht aus dem Auge zu verlieren. An einer grundlegenden Einkommenssteuerstrukturreform und einer zumindest schrittweisen Beseitigung des "Mittelstandsbauches" und der "kalten Progression" geht nach Einschätzung des Handwerks kein Weg vorbei. Entscheidend ist es, Planungssicherheit in diesen Fragen zu schaffen und die Investitionsbereitschaft von Unternehmen und Verbrauchern nachhaltig zu stärken. .
Kennzahlen des niedersächsischen Handwerks:
Betriebe: 81.390 - Beschäftigte: 426.000* - Umsatz: 36,9 Mrd. Euro*
(*auf der Basis vorläufiger amtlicher Daten)
Hannover 30. April 2010 |