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Positive Konjunkturdaten des Handwerks präsentierte heute die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) in Hannover. Auf der Basis einer Befragung der Konjunkturexperten der niedersächsischen Handwerkskammern kann im Moment für das Jahr 2011 von einer Umsatzsteigerung um 3,7 % auf 45,8 Mrd. Euro und einer Steigerung der Beschäftigten um 1,7 % auf 507.000 ausgegangen werden. Der Vorsitzende der LHN, Präsident Peter Voss, freute sich aber nicht nur über diese sonnige Handwerkskonjunktur, sondern machte auch deutlich, dass gerade vor dem Hintergrund der bereits eingetretenen Unsicherheiten auf den internationalen Märkten die langfristige Sicherung der Binnenmarktnachfrage große Bedeutung habe. Die in diesem Zusammenhang geführte Debatte um Steuersenkungen wird vom Handwerk insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Steuergerechtigkeit begleitet. Das Handwerk erwartet deshalb eine Entlastung für die kleineren und mittleren Einkommen. Es sei, so Voss, eine „schreiende Ungerechtigkeit“, wenn bereits Einkommen von 50.000 Euro/Jahr dem Spitzensteuersatz unterliegen. Dies sei Folge der sogenannten „Kalten Progression“. Hier müsse die Politik endlich handeln. Auch der Solidaritätszuschlag entwickelt sich zunehmend von einem sinnvollen Instrument des Aufbaus Ost zu einer ungerechten Dauersteuer. Bereits jetzt fließt er zu einem großen Teil in den allgemeinen Haushalt und wird nicht mehr für den bis 2019 geltenden Solidarpakt benötigt. Der Solidaritätszuschlag muss deshalb schrittweise abgeschafft werden.
Nicht der Steuergerechtigkeit entspricht auch die Tatsache, dass große Teile des Handwerks und der Wirtschaft bereits dann zur Umsatzsteuer herangezogen werden, wenn die Rechnung gestellt, aber noch nicht bezahlt wurde. Es muss aber grundsätzlich gelten, dass die eingenommene Umsatzsteuer dem Finanzamt erst dann zusteht, wenn die Handwerkerrechnung auch bezahlt wurde.
Erfreuliches berichtete der LHN Vorsitzende auch über die Ausbildungsplatzsituation. Ende Juli habe die Zahl abgeschlossener Ausbildungsverträge leicht über dem Vorjahresniveau gelegen. Die Rückmeldungen aus den Handwerkskammern lassen erkennen, dass noch etwa 2.000 Ausbildungsplätze im niedersächsischen Handwerk unbesetzt seien. Dabei zeigt sich, dass insbesondere der Metall- und Elektrobereich noch einen großen Bedarf hat. Mit zunehmender Kritik begegne, so Voss, das niedersächsische Handwerk dem überdimensionierten sogenannten Übergangssystem. Dieses wird schwerpunktmäßig an berufsbildenden Schulen angeboten und steht in direkter Konkurrenz zu den Ausbildungsangeboten der Wirtschaft. Es ist die Tendenz festzustellen, dass viele Jugendliche, obwohl sie die erforderliche Ausbildungsreife haben, in schulische Warteschleifen gehen und nicht in eine duale Berufsausbildung. Nach Schätzungen der Bertelsmann Stiftung kostet dieses System allein in Niedersachsen ca. 400 Mio. Euro im Jahr. Die Handwerkskammern unterstützen deshalb Überlegungen des Niedersächsischen Kultusministers, dieses Übergangssystem kritisch zu überprüfen und schrittweise abzubauen. Voss: „Die betriebliche Ausbildung im dualen System ist ein anerkanntes Markenzeichen des deutschen Bildungswesens. Sie muss Vorrang vor außerbetrieblichen und schulischen Alternativen behalten.“
Abschließend informierte der LHN Vorsitzende über den geplanten Tag des Handwerks am 3. September 2011. Unter dem Motto „Deutschland ist handgemacht“ werden an diesem Tag bundesweit Betriebe und die Handwerksorganisation verdeutlichen, dass unser modernes Leben ohne das Handwerk nicht dankbar ist und damit die Modernität, Vielfalt und Kreativität dieses Wirtschaftsbereiches hervorheben.
Hannover, 09. August 2011 |