|
Die Staatsschuldenkrise, nervöse Finanzmärkte und die Unsicherheiten bezüglich der politischen Handlungsfähigkeit im Euroraum dominieren gegenwärtig die Wirtschaftsnachrichten. Zudem nähren die fragile konjunkturelle Lage in den USA und anderen Industriestaaten Rezessionsängste in der Wirtschaft. Nach Überzeugung der Bundesregierung und auch verschiedener Wirtschaftsforschungsinstitute ist ein Abgleiten in eine Rezession allerdings nicht zu befürchten, vielmehr wird gemäß den Erwartungen Deutschland weiterhin – wenn auch in abgeschwächter Form – auf Wachstumskurs bleiben. Während für das Jahr 2011 ein Wirtschaftswachstum von 2,9 % erwartet wird, wird für 2012 mit einer Steigerung von knapp 1,0 % gerechnet. Zu einem zentralen Träger der wirtschaftlichen Entwicklung positioniert sich zunehmend die Binnennachfrage, nicht zuletzt auch aufgrund der sehr günstigen Arbeitsmarktlage. Im September sank die Arbeitslosenquote in Niedersachsen weiter auf 6,4 %, während sie im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch bei 7,0 % lag. Höhere verfügbare Einkommen bei gleichzeitig niedrigen Zinsen und einem entspannten Arbeitsmarkt wirken positiv auf Konsumfreude und Anschaffungsneigung der Verbraucher. Für die Wirtschaft wird der Fachkräftemangel allerdings zu einer wachsenden Herausforderung.
Die Konjunktur im niedersächsischen Handwerk brummt wie lange nicht mehr! Der Geschäftsklimaindex klettert mit 69 Indexpunkten auf seinen seit Beginn der landesweiten Konjunkturerhebung Mitte der 90er Jahre besten Wert. Über 90 % bewerten ihre Geschäftslage im Herbstquartal mit „gut" oder „befriedigend". Der Konjunkturauftrieb erfasste zu Beginn des zweiten Halbjahres nahezu alle Handwerksbranchen und wurde auch in allen niedersächsischen Kammerbezirken spürbar. Angeführt wird die Konjunkturlokomotive im Handwerk von den Bau- und Ausbaugewerken.
Volle Auftragsbücher und deutlich steigende Umsätze sorgten am Bau für einen "heißen" Herbst. Für die Wintermonate wird im Bauhauptgewerbe saisonbedingt zwar eine leichte Geschäftsberuhigung erwartet, im Ausbaugewerbe aber bleiben Auftrags- und Umsatzerwartungen auch weiterhin unter einem positiven Vorzeichen. Auch bei den industrienahen Dienstleistern ist von Krisenstimmung wenig spürbar, sie rechnen für die kommenden Monate mit einer zumindest stabilen Auftragsentwicklung.
Insgesamt kam es im niedersächsischen Handwerk in den Herbstmonaten zu einem kräftigen Beschäftigtenzuwachs. Über die Hälfte der Betriebe meldete eine Vollauslastung ihrer betrieblichen Kapazitäten. Vermehrt begrenzte der Facharbeitermangel die betriebliche Entwicklung. Von einer bevorstehenden Rezession ist im Handwerk gegenwärtig wenig spürbar, allenfalls mit einer Verlangsamung des Wachstums wird für das kommende Quartal gerechnet.
Für das Jahr 2011 wird vor diesem Hintergrund die bereits im Sommer nach oben korrigierten Prognose für das niedersächsische Handwerk mit einem Zuwachs von 1,7 Prozent bei den Beschäftigtenzahlen und 3,7 Prozent bei den Umsätzen aufrechterhalten. Sehr Optimistische Stimmen gehen speziell mit Blick auf die Umsatzzahlen von einem Zuwachs von bis zu 5 Prozent aus. Gemäß den internen Schätzungen werden Ende 2011 über 500.000 Beschäftigte im Handwerk tätig sein. Die Umsätze werden mit 45, 8 Mrd. Euro eher vorsichtig prognostiziert. Je nach Verlauf des vierten Quartals ist bei diesem Konjunkturindikator noch Bewegung nach oben möglich.
Der gesamte Konjunkturbericht kann als pdf-Datei abgerufen werden. |