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Konjunktur Frühjahr 2017

Bericht aus der Wirtschaftsmacht von nebenan

Die deutsche Wirtschaft ist weiter auf Wachstumskurs: Das Institut der Deutschen Wirtschaft meldet eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 0,6 Prozent im 1. Quartal 2017. Vor dem Hintergrund der großen politischen Verunsicherungen, z. B. durch den geplanten Brexit und den Absichten, den internationalen Handel stärker einzuschränken, ist diese Meldung überraschend positiv. Insgesamt wird davon ausgegangen, dass sich der Außenbeitrag der deutschen Wirtschaft rückläufig entwickeln und das Wachstum in Deutschland leicht gedämpft wird. Die starken binnenwirtschaftlichen Antriebskräfte wirken zur Zeit alleinig den schwächelnden Tendenzen auf den Weltmärkten entgegen. Die Investitionsperspektiven der Unternehmen in Deutschland haben sich aktuell wieder merklich aufgehellt, vor allem die Bauinvestitionen bleiben stark. Gemäß der Prognosen werden in den Jahren 2017 und 2018 in Deutschland insgesamt 1 Million neue Arbeitsplätze entstehen. Infolge dieser anhaltend guten Arbeitsmarktentwicklung bleibt der private Konsum der zentrale Konjunkturträger. Auch im Zuge der Lohnsteigerungen und der Rentenanpassungen wächst bei einer gleichzeitig moderaten Entwicklung der Verbraucherpreise das insgesamt verfügbare Einkommen. Die Indikatoren für Niedersachsen weisen ebenfalls auf eine wachsende Wirtschaft hin. Gemäß der Märzmeldung der Bundesagentur für Arbeit für Niedersachsen zeigt sich der Arbeitsmarkt in Niedersachsen sehr aufnahmefähig und bietet ein Fünftel mehr offene Stellen im Bestand als noch vor einem Jahr.

Das niedersächsische Handwerk hat das 1. Quartal eines Jahres niemals besser benotet. Die Handwerksbetriebe melden einen sehr guten Auftragsbestand. Die Rückmeldungen zu der Beschäftigtenentwicklung lassen zudem darauf schließen, dass die Belegschaften trotz der Wintermonate aufgestockt wurden. Zusammengefasst ist die Konjunkturlage im Handwerk  insgesamt äußerst positiv zu bewerten.

Vor allem die dynamische Baukonjunktur trägt zur stabilen Wirtschaftslage im niedersächsischen Handwerk bei. Speziell das Ausbaugewerbe kann schon zu Jahresbeginn 2017 eine sehr robuste Nachfrageentwicklung verbuchen. Aber auch in allen anderen Handwerksbranchen ist die Stimmungslage ausgesprochen positiv. Für die kommenden Sommermonate rechnen die Betriebe in allen Branchen mit zweistelligen Auftrags- und Umsatzzuwächsen. In der Summe rechnen 32 Prozent der Betriebe mit höheren Auftragsbeständen  und 29 Prozent der Betriebe mit höheren Umsätzen für die kommenden Sommermonate . Die Betriebe planen in Folge eine Aufstockung der personellen Kapazitäten. In der Summe beabsichtigen 13 Prozent der befragten Betriebe neue Beschäftigte einzustellen. Jedes dritte Handwerksunternehmen erreicht inzwischen eine Kapazitätsauslastung über 90 Prozent und mehr.

Das Investitionsengagement steht insgesamt zwar unter einem leicht positiven Vorzeichen, bleibt aber hinter dem Konjunkturverlauf insgesamt zurück. Das Potenzial der günstigen Zinskonditionen wird nicht ausgeschöpft. Der oft beklagte Mangel an Fachkräften und Auszubildenden wird regelmäßig als Grund für die Investitionshemmnisse angeführt. Mittel- bis langfristig können sich aus der Zuwanderung wichtige Potenziale für den Arbeitsmarkt und den sich zunehmend verschärfenden Fachkräftemangel ergeben.
Eine zügige Integration der geflüchteten Menschen mit Bleibeperspektive stößt aktuell auf grundsätzlich gute Ausgangsvoraussetzungen. Die damit verbundenen Herausforderungen dürfen allerdings nicht unterschätzt werden.

Gemäß den aktuellen Prognosen der Konjunkturexperten in den Handwerkskammern werden im Jahr 2017 circa 527.800 Menschen im niedersächsischen Handwerk beschäftigt sein. Der Umsatz wird für das Jahr 2017 auf 53,4 Mrd. € geschätzt.

Der gesamte Konjunkturbericht kann als pdf-Datei abgerufen werden.