85 Prozent der Handwerksbetriebe mit ihren Auszubildenden zufrieden

-Interesse, Teamfähigkeit und Umgangsformen gewinnen an Bedeutung -

„Das hohe Maß der Zufriedenheit der Betriebe mit ihren Auszubildenden hat uns nach Auswertung einer landesweiten Umfrage im niedersächsischen Handwerk positiv überrascht", betont Karl-Wilhelm Steinmann, Vorsitzender der Landesver-tretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) im Rahmen der Presse-konferenz in Hannover. Die repräsentative Umfrage unter den niedersächsischen Handwerksbetrieben erfolgte von Mitte August bis Mitte September 2018. Über 2.000 Betrieben beteiligten sich.

Auf die Frage: „Wie zufrieden sind Sie mit Ihren Auszubildenden?" antworteten 21 Prozent der Betriebe mit „sehr zufrieden", 65 Prozent mit „zufrieden" und nur 14 Prozent zeigten sich „nicht zufrieden". Schaut man auf die „sehr zufriedenen" Betriebe, so wird deutlich: Die Betriebe schätzen an ihren Auszubildenden Inter-esse und Aufgeschlossenheit, Motivation und Teamfähigkeit sowie Disziplin und Umgangsformen. Diese Social-Skills spielen für Ausbildungsbetriebe eine immer größere Rolle. Bei den weniger zufriedenen Rückmeldungen werden vor allem Defizite bei den elementaren Rechenfertigkeiten und beim mündlichen und schriftlichen Ausdruckvermögen angeführt. Es zeigt sich aber, dass bei Auszu-bildenden mit geringen schulischen Kenntnissen eine hohe Bereitschaft auf Sei-ten der Betriebe besteht, zu unterstützen. Über 40 Prozent der Betriebe nutzen für diese Auszubildenden die sogenannte Einstiegsqualifizierung und 60 Prozent der Betriebe gaben an, ausbildungsbegleitende Hilfen (ABH) zu nutzen. Viele Betriebe machen auch eigene Angebote und schulen betriebsintern oder mit ex-terner Unterstützung zusätzlich zur Berufsschule.

Seit einigen Jahren steigt der Anteil der Abiturienten im Handwerk kontinuierlich an. Heute absolvieren 11,7 Prozent der Auszubildenden mit Abitur ihre Ausbil-dung im Handwerk. Allerdings sind schulische Leistungen im Handwerk alleinnicht ausschlaggebend. Auf die Frage: „Wie wichtig sind Ihnen die Schulab-schlussnoten oder der Schulabschluss?", antworteten 38 Prozent „wichtig", 59 Prozent „weniger wichtig" und knapp 4 Prozent „überhaupt nicht wichtig".

Dieses zeigt, im Handwerk haben nahezu alle Jugendlichen eine Chance - auch junge Menschen mit schulischen Schwierigkeiten. Ihre Talente, persönlichen Stärken und ihre Begeisterung können sich im Handwerk manchmal besonders gut entwickeln. Am Ende besteht die Möglichkeit der Meisterprüfung und sogar einer späteren Übernahme oder Gründung eines Betriebes. Die handwerkliche Aus- und Fortbildung ebnet genau diesen Weg und ist für viele auch ein sozialer Aufstieg.„Die Meisteranerkennungsprämie für angehende Meisterinnen und Meis-ter in Höhe von 4.000 € ist nicht zuletzt aus diesem Grund eine große Wertschät-zung des Landes. Sie muss über 2019 hinausgehend fortgeführt werden, um nachhaltig auf die Fortbildungsbereitschaft im Handwerk wirken und die Ausbil-dungsbefähigung sichern zu können.

Die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung muss ein über-geordnetes politisches Ziel sein.Die hohe Zahl der Studienabbrecher und -abbrecherinnen und der akute Fachkräftemangel – der zunehmend zu einem Versorgungsengpass bei handwerklichen Leistungen führt - macht dieses Un-gleichgewicht nur zu deutlich. Aus Sicht des Handwerks besteht ein großer, poli-tischer Handlungsbedarf.

Eine der wichtigsten Forderungen des Handwerks an die Politik ist darum die Gleichstellung der Aus- und Fortbildung mit der akademischen Bildung. „Das niedersächsische Handwerk setzt sich derzeit für eine Änderung des Aufstiegs-fortbildungsförderungsgesetzes (AFBG) auf Bundesebene ein, mit der die volle Finanzierung der Meisterfortbildung möglich wird. Denn mit ausreichend ausge-bildeten Meistern wird nicht nur die Versorgungslage im Handwerk garantiert, sondern auch die Ausbildung von qualifiziertem Nachwuchs, den wir dringend benötigen!", so Steinmann.

Aus diesem Grund fordert das Handwerk auch, die Berufsorientierung weiter voran zu treiben. „Betriebspraktika müssen dabei einen hohen Stellenwert ein-nehmen.„Lehrer müssen das Fach „Berufsorientierung" speziell auch an Gymna-sien intensiv angehen", betont Steinmann. Dieser Aspekt muss in der Lehreraus-bildung eine größere Rolle spielen.

In der landesweites Frühjahrsumfrage des Handwerks war deutlich geworden, dass 80 Prozent der Betriebe im letzten Jahr einen Rückgang der Bewerberzahlen beobachtet hatten und 60 Prozent ihre Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen konnten. Dabei konnte die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungs-verträge bereits im letzten Jahr erstmalig wieder leicht gesteigert werden. Im laufenden Jahr verzeichneten die Handwerkskammern bis Ende August ein Plus von 3,6 Prozent. Damit wurden bis zum 31.08.2018 15.470 Ausbildungsverträge neu eingetragen.

Hannover, 17. September 2018