© Andreas Haumann, Handwerkskammer Flensburg

Arbeitnehmervertreter/-innen des Handwerks treten für Inklusion in Betrieben ein

Unter dem Motto „Inklusion, selbstverständlich! Es ist normal, verschieden zu sein", kamen am Wochenende die Gesellenvizepräsidentinnen und -präsidenten norddeutscher Handwerkskammern bei der gemeinsamen Arbeitstagung mit dem Ökumenischen Landesarbeitskreis Handwerk und Kirchen in Niedersachsen zusammen. Stephanie Wlodarski, Vorstandsmitglied der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e.V. (LHN) eröffnete die Tagung in Husum gemeinsam mit Michael Müller, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Flensburg und Hille de Maeyer, Handwerkspastorin der Evangelischen Landeskirche Hannovers. „In einer Gesellschaft, die bunt und vielfältig ist, sollten alle Menschen die gleichen Chancen bekommen. Wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam zur Schule gehen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen, schaffen wir einen großen Schritt in der Inklusion und auch in Richtung Chancengleichheit," betonte Wlodarski ihre Grundeinstellung. „Viele Menschen im Handwerk leben christliche Werte in ihrem betrieblichen Alltag. Sie nehmen in hohem Maße soziale Verantwortung wahr, indem sie sich mit großem Engagement für Benachteiligte einsetzen" erläuterte de Maeyer mit Blick auf die enge Beziehung zwischen Handwerk und Kirche.

Wie die UN-Behindertenkonvention in der Praxis umgesetzt werden kann und wie die Chancen für Inklusion in Ausbildung und Arbeit aktuell aussehen, erläuterte Michaela Pries, Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung im Schleswig-Holsteinischen Landtag, und gab damit den Anwesenden viele Impulse für die Handwerkskammern und -betriebe mit. Der Nachteilsausgleich wurde im Rahmen der Tagung weiterhin als hilfreich für Menschen mit Beeinträchtigungen dargestellt. So können beispielsweise im Rahmen des schulischen Teils einer Ausbildung Ausgleichsmaßnahmen wie Zeitzugaben oder eine Nutzung technischer oder anderweitiger Hilfsmittel bei Prüfungen zugelassen werden. Genauso wichtig wie diese Themen sind aber auch die Möglichkeiten der konkreten Unterstützung beeinträchtigter Menschen.

Als Facheinrichtung und Partner der Handwerkskammer Flensburg, fand die Tagung in den Räumen des Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerks (TSBW) statt. Mitarbeiter und Auszubildende der Einrichtung stellten ihre verschiedenen Handwerksbereiche vor, gaben fachkundige Auskunft und gestalteten die Rahmenbedingungen. Das Bildungswerk ist ein gutes Beispiel für fachlich fundierte und engagierte Unterstüt-zung beeinträchtigter Menschen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermutigen besonders junge Menschen mit Behinderungen den Schritt in ein selbstbestimmtes und selbstständiges Leben zu gehen und unterstützen bei der Berufsorientierung und Eingliederung. „Das TSBW verfügt über eine Vielfalt von Möglichkeiten. Hier wird u.a. in 67 Berufen ausgebildet, davon eine erhebliche Anzahl im Handwerk. Es gibt viele Beispiele für berufliche Karrieren, die mit einer außerbetrieblichen Ausbildung begonnen haben", so Michael Müller, Vorstandsmitglied der Handwerkskammer Flensburg. „In Zeiten des Fachkräftemangels sehe ich die Tagung als Möglichkeit, für Arbeits- und Praktikumsplätze für den genannten Personenkreis im ersten Arbeitsmarkt zu werben. Außerdem sehe ich die Teilnehmenden der Tagung als Multiplikatoren, die ihre neuen Einblicke in die Arbeit innerhalb ihrer Handwerkskammern einfließen lassen können," erklärte Müller weiter.

„Eine unersetzliche und besonders nachhaltige Arbeit, die das Berufsbildungswerk leistet", findet auch Dr. Hildegard Sander, Hauptgeschäftsführerin der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e.V. „Wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte im Handwerk, ob mit oder ohne Beeinträchtigung. Das Handwerk bietet viele Perspektiven. Die Handwerkskammern stehen daher allen interessierten Personen zu diesem Thema gerne zur Seite."

Neben dem Hauptthema Inklusion ging es am Wochenende auch um den großen Anteil, den das Handwerk zum Küstenschutz in der Region beiträgt. Im Rahmen einer Exkursion auf die Hallig Südfall wurden die Spitzenvertreterinnen und -vertreter des norddt. Handwerks über verschiedene Maßnahmen des Küstenschutzes informiert. „Es ist beeindruckend, wo überall das Handwerk einen Beitrag für die Gesellschaft leistet und dies oft unbemerkt von der breiten Masse", macht Stephanie Wlodarski deutlich. „Die Vielfalt wird im Handwerk großgeschrieben und nicht nur durch die Bandbreite der dort anzutreffenden Berufsbilder. Jede und Jeder ist eingeladen, diese Vielfalt zu entdecken".

Zum Hintergrund: Die Studientagung wird vorbereitet und geleitet von der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e.V. (LHN), dem Ökumenischen Landesarbeitskreis Handwerk und Kirchen in Niedersachsen und einer ausrichtenden Handwerkskammer vor Ort. Sie findet einmal jährlich wiederkehrend statt.

Hannover, den 29. August 2022