© LHN: v.l. Eckhard Stein (LHN-Vorsitzender), Dr. Hildegard Sander (LHN-Hauptgeschäftsführerin), Dipl.-Ing. Frank Oettinger (Geschäftsführer der Carl Oettinger Gesundheitstechnik GmbH & Co. KG), Manfred Wehlmann (Ausbilder bei der Carl Oettinger Gesundheitstechnik GmbH & Co. KG)

LHN-Sommerpressekonferenz 2022: Bildungswende bei hohem Fachkräftebedarf im Handwerk erforderlich

- Nur jeder dritte junge Mensch fühlt sich gut über seine beruflichen Möglichkeiten informiert -

In einem durch den Ukrainekrieg und die Energiefrage wirtschaftlich herausfordernden Umfeld wurde auch 2022 wieder die traditionelle Umfrage unter den niedersächsischen Ausbildungsbetrieben durch die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen e.V. (LHN) durchgeführt. „Mit gut 1.300 Betrieben war der Rücklauf erneut hoch. Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, dass die wirtschaftliche Lage im Handwerk nach wie vor grundsätzlich positiv bewertet wird. Neben der Energiekostenproblematik und den Beschaffungspreisen sind die Herausforderungen mit Blick auf die Fachkräftegewinnung und -sicherung aber immens", betont Eckhard Stein, Vorsitzender der LHN.

Es besteht eine echte Schieflage im Bildungssystem, die im Handwerk schon lange thematisiert wird, und jetzt nahezu alle anderen ausbildungsrelevanten Wirtschaftsbereiche trifft. Diese Schieflage und der Trend zur Akademisierung hat zu einem echten Fachkräfteengpass geführt, der sich auch dieses Jahr weiter verschärft hat. Nahezu jeder zweite Ausbildungsbetrieb im Handwerk konnte seine freien Ausbildungsplätze nicht vollständig besetzen.

Damit bestehen aber nach wie vor für alle Interessierten sehr gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz. „Schulabschlüsse und -noten sind zwar grundsätzlich wichtig, aber es wird sich für jeden jungen Menschen eine Ausbildung finden lassen, der Begeisterung und Freude am „Machen" mitbringt. Für zwei Drittel der befragten Handwerksbetriebe sind die Noten nicht ausschlaggebend", betont Dr. Hildegard Sander, Hauptgeschäftsführerin der LHN.

Handwerk und eine handwerkliche Ausbildung sind modern, technisch anspruchsvoll und zukunftsorientiert. Über 80 Prozent der Befragten bieten den Auszubildenden eine Bleibeperspektive, d.h. eine dauerhafte Beschäftigung im Betrieb an. Seit Jahren fordert die Wirtschaft zum einen eine bessere und intensivere Berufliche Orientierung sowie die Vermittlung von unternehmerischen Inhalten und wirtschaftlichen Zusammenhängen bereits in der Schule. Zum anderen ist eine Stärkung des beruflichen Bildungssystems aus Sicht der Wirtschaft unverzichtbar.

„Es sind nachhaltige Investitionen in das berufliche Bildungssystem erforderlich. Das gilt besonders im Handwerk für die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung sowie die überbetrieblichen Bildungsstätten. Hier muss das Land entsprechend handeln und seine Förderungen deutlich nach oben anpassen. Ansonsten fehlt es, noch schneller als bislang befürchtet, an ausreichend geeigneten Fachkräften für die Umsetzung der Energie-, Klima- und Mobilitätswende!", warnt Stein abschließend.

Hannover, den 31. August 2022

 

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